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Netze und Märkte mit Digitalisierung für die Energiewende zusammenbringen

Wiesbaden, 07. August 2018. Staatsminister Al-Wazir diskutierte die Erkenntnisse und Initiativen aus dem C/sells-Projekt beim hessischen Ministerdialog

Energiewende bedeutet die Abkehr von der überkommenen Erzeugung von Strom und Wärme aus fossilen Quellen zugunsten eines zunehmend dezentral organisierten und auf erneuerbaren Energien basierenden Energiesystems. Dabei besteht die besondere Herausforderung darin, zwei unterschiedliche fluktuierende Systeme in einen Gleichklang zu bringen. Zum einen muss der aus volatilen Quellen wie Wind und Sonne erzeugte Strom so in das Gesamtsystem integriert werden, dass der in Deutschland vorhandene hohe Grad an Versorgungssicherheit und Systemstabilität erhalten bleibt.

Zum anderen gilt es, die Erzeugung und Einspeisung des Regenerativstroms stärker als bisher mit der tatsächlichen, über den Tagesverlauf stark schwankenden Nachfrage durch die Stromkonsumenten zu harmonisieren. Dies erfordert eine präzise austarierte Steuerung von Märkten und Netzen und insbesondere die Verarbeitung einer großen Menge an energiewirtschaftlichen Daten unter konsequenter Nutzung der Möglichkeiten von Digitaltechnologie.

Vor diesem Hintergrund werden im Rahmen des Projektes „C/sells - Großflächiges Schaufenster im Solarbogen Süddeutschland“ in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern und Hessen Konzepte für eine dezentrale Energiewende entwickelt und in Modellregionen zur Anwendung gebracht. Das Projekt wird durch Fördermittel des SINTEG-Programms der Bundesregierung in Höhe von ca. 45 Mio. € und Eigenmittel der Projektbeteiligten finanziell getragen.

„Die Energiewende ist ohne die digitale, intelligente Vernetzung des Energiesystems nicht denkbar. In einer einzigartigen Zusammenarbeit entwerfen die zahlreichen Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft ein tragfähiges Markt-Netz-Design für die Zukunft. Wir freuen uns als Land Hessen, an diesem richtungsweisenden Projekt mitzuwirken“, erklärte der hessische Wirtschafts- und Energieminister Tarek Al-Wazir beim C/sells-Ministerdialog in Wiesbaden.

„C/sells steht für einen zellulären, partizipativen und vielfältigen Lösungsansatz: Autonom und gleichzeitig im Verbund agierende Zellen werden die Umsetzung der Energiewende ermöglichen. Für Nachhaltigkeit und Effizienz setzen wir vor allem auf digitale Prozesse und Dienstleistungen sowie die Einbindung einer Vielzahl von Akteuren“, erläuterte der Verbundkoordinator Sebastian Breker.

Prof. Dr. Peter Birkner, Geschäftsführer des House of Energy und C/sells Regionalkoordinator für Hessen ergänzte: „Zellulär strukturierte Energiesysteme sind ein Kernelement der dezentralen Energiewende. Es ist wichtig, dass wir diese Strukturen in Form von Reallaboren technisch erproben und funktional optimieren. Da der Ansatz neu und durchaus komplex ist, muss er für die Bürgerinnen und Bürger sowie die kommunalen Akteure im Rahmen von Beteiligungsprozessen erfahrbar sein. Daraus resultiert die notwendige Akzeptanz ohne die eine Etablierung zellulärer Energiesysteme nicht möglich sein wird. Das Projekt C/sells leistet hierzu sehr wertvolle Beiträge.“

Anfang 2017 startete das Projekt und läuft noch bis Ende 2020. Das Projektteam aus über 300 Projektmitarbeitern hat bereits über 200 Veranstaltungen durchgeführt; hierzu zählt auch die Reihe der Ministerdialoge.

Dr. Albrecht Reuter, Gesamtprojektleiter von C/sells erklärte: „Wichtig für ein hochinnovatives Projekt wie C/sells sind Experimentierräume. So können wir das Markt-Netz-Design der Zukunft, unter realen Umgebungen testen und massenfähige Energiewendelösungen ins Land bringen.“

Hintergrund (BMWi):
Das Förderprogramm "Schaufenster intelligente Energie - Digitale Agenda für die Energiewende" (SINTEG) zielt darauf ab, in großflächigen "Schaufensterregionen" skalierbare Musterlösungen für eine sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung bei hohen Anteilen fluktuierender Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenenergie zu entwickeln und zu demonstrieren. Die gefundenen Lösungen sollen als Modell für eine breite Umsetzung dienen.
Im Zentrum stehen dabei die intelligente Vernetzung von Erzeugung und Verbrauch sowie der Einsatz innovativer Netztechnologien und -betriebskonzepte. Das Förderprogramm thematisiert damit zentrale Herausforderungen der Energiewende wie Systemintegration, Flexibilität, Digitalisierung, Systemsicherheit und Energieeffizienz sowie den Aufbau intelligenter Energienetze und Marktstrukturen. Das Projekt ist ein wichtiger Beitrag zur Digitalisierung der Energiewende.

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