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23 Jul 2020

C/sells Regionalkonferenz Hessen: Flexibilität im Stromnetz - Die Technik und die Kundensicht

Rund 60 Teilnehmer folgten am 14. Juli 2020 der Einladung des House of Energy und des C/sells-Konsortiums und nahmen an der ersten virtuellen Regionalkonferenz für Hessen teil.

Nach der Begrüßung durch Herrn Dr. Martin Knipper, der auch die Moderation übernahm, berichtete Herr Nicolas Spengler, Verbundkoordinator C/sells über Aktuelles aus dem Projekt. Hierbei verkündete er unter anderen, dass es erfreulicherweise positive Tendenzen zur kostenneutralen Verlängerung des Projektes gibt. Die SINTEG Abschlusskonferenz, die 2020 in Hamburg stattfinden soll, dürfen aufgrund von Hygienevorschriften leider nur 200 Personen live besuchen. Sie soll als Hybridveranstaltung konzipiert werden. Für das C/sells-Abschluss-Symposium, das zusammen mit dem verschobenen Ministerdialog am 15. Dezember in Stuttgart stattfindet, laufen die Vorbereitungen. Von einer Münchner Agentur wird derzeit eine Event-Website erstellt, die es – falls doch nötig – ermöglicht, die Veranstaltung auch online durchzuführen. Zudem soll die Website nach der Veranstaltung als Content-Hub dienen, um C/sells-Inhalte auch nach Ablauf des Projektes öffentlich zur Verfügung zu stellen.

Im anschließenden Vortragsblock stellte Frau Larissa Fait von der Universität Kassel eine Umfrage vor, die die Bereitschaft von Haushalten untersucht – elektrische – Flexibilitäten bereitzustellen. Zusammen mit der EEG-Abrechnung der EAM wurden 40.000 Haushalte angeschrieben und um die Beantwortung eines Fragebogens gebeten. Die Ergebnisse wurden vom Fachgebiet VWL Schwerpunkt dezentrale Energiewirtschaft ausgewertet. Die Rücklaufquote betrug 7 %, was eine sehr erfreuliche Resonanz darstellt. Das Ergebnis der Studie bestand im Wesentlichen darin, dass bei den Bürgern eine sehr große Skepsis gegenüber der Flexibilitätsbereitstellung herrscht. Nicht zuletzt ist dies mit einem Eingriff in den Einsatz von Haushaltsgeräten verbunden. Dabei ist hervorzuheben, dass, die Befragten bereits in EEG-Anlagen investiert hatten und der Energiewende damit positiv gegenüberstehen. Überraschend war auch die Erkenntnis, dass eine – wirtschaftlich darstellbare – monatliche Vergütung nur geringen Einfluss auf die Bereitschaft hatte.

In einem zweiten Beitrag gaben die Referenten Herr Tobias Fieseler von der EAM Netz sowie Herr Robert Ißler und Herr Erik Heilmann von der Universität Kassel Einblicke in die Technik. In ihrem Vortrag „Wie kann netzdienliche Flexibilität beschafft und eingesetzt werden?“ erläuterten sie die neu entwickelte ReFlex-Plattform am Beispiel der Demonstrationszelle Dillenburg. Dabei ging Herr Tobias Fieseler darauf ein, wo und wann Flexibilität benötigt wird und wie die Netzspannung gemessen und ausgewertet wird. Weiterhin stellte er das Monitoringsystem „Grid Eye“ für das Niederspannungsnetz vor. Anschließend beschrieb Herr Erik Heilmann wie das ReFlex-Plattform-Konzept entstand, während Herr Robert Ißler erste Ergebnisse des durchgeführten Feldtests präsentierte. Die Plattform war erfolgreich unter Realbedingungen getestet worden. Insbesondere wurden verschiedene Marktmodelle erprobt.

Im dritten und letzten Beitrag trugen Frau Katharina Habbishaw und Herr Pedro Girón, beide Fraunhofer IEE, ihre Untersuchungen zum spartenübergreifenden Energiemanagement vor. Dazu boten sie eine kurze Darstellung der Arbeiten am Biomassezentrum Stausebach und beschrieben einen weiteren Use-Case mit flexibler Erzeugung von Strom, Bioerdgas und Wärme, inklusive der Ankopplung an die entsprechenden Speicher. Weiterhin berichteten sie über den aktuellen Entwicklungsstand des von Ihnen entwickelten  Energiemanagementsystems und die bei der Energievermarktung erzielten Ergebnisse.

Nach den drei Vorträgen fasste Herr Prof. Peter Birkner, Geschäftsführer des House of Energy die aus seiner Sicht wichtigsten Ergebnisse zusammen und leitete daraus ein Fazit zur Veranstaltung ab.

Mit Bezug auf die soziologische Seite der Energiewende ist es ernüchternd, dass knapp die Hälfte der befragten Bürger (45 %), die eine EEG-Anlage betreiben, keine Investition in Flexibilitätsoptionen – wie Batterien, Elektrofahrzeug oder Wärmepumpen – planen. Trotz voranschreitendem Klimawandel und knapper werdender Zeit ist die Bereitschaft zum Handeln begrenzt. Die zweite Hälfte der Befragten (55 %) plant zwar die Anschaffung einer der genannten Schlüsseltechnologien aber knapp die Hälfte davon (also rund 25 %) möchte den Privatbereich schützen und kann sich keinen externen Zugriff auf diese Geräte vorstellen. Information, Integration und Partizipation scheinen im Energiesektor weiterhin Schlüsselthemen zu sein. Die Transformationsgeschwindigkeit ist zu erhöhen, um die Chance auf Erreichen der Klimaziele zu erhalten.

Die angebotene Vergütung in Höhe von 20 € pro Monat scheint zu gering zu sein, um einen signifikanten Einfluss auf die Bereitschaft der Bürger zum Öffnen des Privatbereichs zu haben. Gegebenenfalls können technische Lösungen zur Komfortgarantie – Beispielsweise in Form von heimischen Energiemanagern – die Motivation erhöhen. Hier gibt es eine Reihe vielversprechender Ansätze, aber auch hierzu müsste verstärkt informiert werden.

In der Demonstrationszelle Dillenburg kam das System iNES – Intelligente Ortsnetzstation – zur Steuerung der Flexibilitäten zum Einsatz. Neben der Demonstration der technologischen Funktionalität wurden Marktmodelle unter Variation der Parameter erprobt. Die online Erfassung von Daten schafft Transparenz über die Reserven und Grenzen des Netzes. Diese erlaubt den Schluss auf den zeitlichen und örtlichen Bedarf an Flexibilitäten. Mit Blick auf den Markt sind Eigenschaften, wie Liquidität, Stabilität der Preisbildung und Marktmacht wichtig. Die hier etablierten regionalen Flexibilitätsmärkte sind ihrer Natur nach kleinteilig strukturiert. Dies stellt eine besondere Herausforderung dar. 

Die sektorenübergreifenden Überlegungen von Fraunhofer IEE zeigen die Möglichkeiten auf, wie Strom-, Wärme- und Gassystem durch „Energieweichen“ gekoppelt werden können und vor allem in Kombination mit Speichern vielfältige Möglichkeiten zur Systemstabilisierung und zur Netzunterstützung bieten. Insoweit stellt es einen interessanten Ansatz dar, „erweiterte Biogasanlagen“ unter Realbedingungen systemdienlich in Kombination mit dem Strommarkt oder netzdienlich zu betreiben.

Als Fazit der Konferenz können drei Punkte formuliert werden:

  • Das Projekt C/sells hat einen ganzheitlichen Ansatz.
    Die Integration von leistungsstarken, volatilen erneuerbaren Energiequellen in die vorhandenen Energiesystem stellt eine Herausforderung dar. Zur Lösung werden konkrete Ideen entwickelt, die umgesetzt und erprobt werden. Es gibt Schlussfolgerungen, Korrekturschleifen und Ergebnisse. Während dieses Prozesses wurde Wert darauf gelegt zu informieren und zu integrieren. Daher sind die Voraussetzungen für die Akzeptanz geschaffen. Die Etablierung von Partizipationszellen und deren Integration in die technischen C/sells-Projekte war daher eine wichtige und richtige Entscheidung.

  • Flexibilität braucht Optionen,
    h. leistungsstarke Geräte, die in ihrer Leistung anpassbar sind. Dies hat viel mit Elektrifizierung zu tun. Die Wärmepumpe ersetzt die Gasheizung, der Elektromotor den Verbrennungsmotor und Batterien gab es früher auch nicht im Haushalt. Elektrifizierung bedeutet aber auch Effizienzsteigerung. Daher geht Flexibilität auch mit Effizienzsteigerung einher. Ein weiter wichtiger Baustein ist die Sektorenkopplung. Energiewende benötigt „energetische Verschiebebahnhöfe“ zur Stabilisierung. Die Art und Weise der Ausgestaltung der Sektorenkopplung ist zellenabhängig. Es ist subsidiär vorzugehen. Lösungen sind individuell. Dabei sollte das Elektrofahrzeug stärker ins Kalkül gezogen werden. Es hat das Potential zum „Game Changer“. Die Batterien bekommen mit 100 kWh eine Reichweite von über 500 km oder können alternativ den Energiebedarf eines Hauses für mehrere Tage bereitstellen.

  • Flexibilitäten sind eindeutig zuzuordnen.
    Gibt es in einem Haus eine Flexibilität – sei es ein Batteriespeicher oder eine Wärmepumpe – ist sie durch ihren Ort charakterisiert und es kann ihr zu einem Zeitpunkt immer nur eine Aufgabe zugeordnet werden. Sie kann netzdienlich eingesetzt werden, sie kann die Frequenz-Leistungsregelung unterstützen oder sie kann auch gegen den Energy-Only-Market laufen. Hierbei gibt es Aufgaben bei denen Ort und Zeit wichtig sind – beispielweise bei netzdienlichem Einsatz – und Aufgaben bei denen nur die Zeit eine Rolle spielt – beispielsweise beim Einsatz auf dem Energy-Only-Market. Hier müssen noch Regeln und Verfahren entwickelt werden, wie diese Zuordnung eindeutig erfolgen kann und zudem sichergestellt wird, dass die Flexibilität exakt die mit ihrer Aufgabe verbundene Vergütung erhält.

Nach zwei Stunden voller neuer Informationen zu Ergebnissen aus C/sells und interessanten Beiträgen aus den Reihen der Teilnehmer endete die virtuelle Regionalkonferenz Hessen mit der Hoffnung, sich auf der abschließenden Regionalkonferenz im Herbst wieder zu Ort zu treffen und direkt und persönlich miteinander zu diskutieren.

Weitere Fragen zur Konferenz beantwortet Ihnen gerne Herr Dr. Martin Knipper (m.knipper@house-of-energy.org).

> Weitere Informationen zum c/sells-Projekt



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